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27.06.2010. Heute habe ich meinen 3. Geburtstag gefeiert. Es war ein rauschendes Fest. Für die Flut von Glückwünschen und Gratulationen aus aller Welt bedanke ich mich herzlich.

Mein besonderer Dank allerdings gilt den Barones de Rothschild und ihren Domaines in Bordeaux für die extra dafür kreierte Weinkollektion.








Gera, 29. August 2009. Ihr kennt alle die Situation: Es ist Samstagmorgen. Man sitzt gemütlich beim Frühstück, freut sich auf das Wochenende und denkt an nichts Böses. Da läutet das Telefon. Schon der Klingelton hört sich bedrohlich an. Die liebe Verwandtschaft lädt sich zum Besuch ein. Und plötzlich bekommt der zärtliche Begriff Familienbande eine entsetzliche Dimension ... wenn die ganze Bande kommt.

So und doch ganz anders ging es mir am letzten August-Wochenende. Denn die Heimsuchung, die mich ereilte, erwies sich als höchst angenehmer Überfall. Mein jüngster Sohn Purple Haze Donovan vom Haseland machte mir seine Aufwartung - nebst Gouvernante Ann-Claire und Chauffeur Helmut.





Hals über Kopf hat er sich im blühenden Alter von drei Monaten von Merzen auf die lange Reise nach Gera begeben, um endlich mal seinen berühmten Vater persönlich kennen zu lernen. Und auch ich war von der Begegnung überwältigt. Fast wie mein Ebenbild präsentierte sich der Jüngling in vorzüglicher Kondition. Der liebe Gott muss in Sektlaune gewesen sein, als er der Liaison von Torin und Tessa seinen Segen gab und dieses Prachtexemplar schuf. Aus gutem Grund nennt man meinem Donovan jetzt „Champ“ - in weiser Voraussicht auf seine bevorstehende große Karriere.



Nach einer überschwänglichen Begrüßung einschließlich seiner Begleitung zogen wir uns kurz zu einem persönlichen Gespräch zurück. Bei dieser Gelegenheit machte ich den Filius auch mit meinem parkähnlichen Anwesen bekannt.



Zudem mussten Erziehungsfragen geklärt werden, denn schon bald wurde mir der Schlingel zu vertraulich und wagte sich gar an meine eisernen Vorräte heran. Insgeheim war ich natürlich mächtig stolz auf dieses Bündel an Energie, Temperament und Selbstbewusstsein und erinnerte mich mit Wehmut an meine ebenso schöne Welpenzeit. Kinder, wie die Zeit vergeht!







Bei Spiel und Spaß, Kaffee und Kuchen verging der Tag wie im Flug. Familienfotos wurden im Dauerfeuer geschossen. Wer ist hier wohl am glücklichsten?



Viel zu früh musste dann Abschied genommen werden. Aber vorher gab’s noch die leckeren Thüringer Rostbratwürste knusprig frisch vom Grill. Gerade noch rechtzeitig fiel mir ein, dass Donovans Visite auf den Tag genau zwei Jahre nach meiner Übersiedlung vom Haseland nach Gera stattgefunden hat. Ein gutes Omen - wie ich finde.






Oberste Priorität bei Menschen, zumal den Deutschen, ist Ordnung. Unter Ordnung verstehen sie vor allem Hierarchie, Struktur, Regeln und Führung. Ohne diese Dinge würde ihr Gemeinwesen zusammenfallen wie unser Bügeltisch, den ich neulich fachmännisch demontieren wollte.

Und wer käme wohl zur Führung mehr in Frage als wir Hunde?! Wir können besser riechen, besser hören und meist auch besser sehen als unsere zweibeinigen Spezies, selbst dann, wenn denen schon Hören und Sehen vergangen ist. Schaut euch doch mal um in der Welt, sogar die Großen und Mächtigen kommen nicht ohne uns aus. Putin hat einen Hund und Bush ebenfalls. Obama neuerdings auch. Aus gut unterrichteten Kreisen wurde berichtet, dass es ein Irish sein sollte, weil der farblich so gut zum Weißen Haus passt. Ist aber dann doch ein anderer geworden. Frau Merkel hat keinen Hund, sondern einen Vogel. Der war mal hier in Thüringen Ministerpräsident und ist dann stiften gegangen, zur Adenauer-Stiftung. Aber das ist ein anderes Thema.



Bei uns zu Hause herrscht keine interspezifische Rangordnung. Oder ist euch aufgefallen, dass in einen meiner Beiträge schon mal vom Boss, Chef oder gar von „Frauchen“ die Rede gewesen wäre. Gibt es nicht! Ich habe Freunde, Partner und Bedienstete. Meist sind es ein und dieselben Personen. Natürlich gestatten wir uns gegenseitig Handlungsspielräume oder Freiheiten in Bezug auf dieses oder jenes Verhalten - und alle kommen gut damit zurecht.



Wenn allerdings meine Pflegedienstleiterin „Rüde“ zu mir sagt und dabei nicht mein Geschlecht sondern mein Benehmen meint, dann weiß ich, dass ich wieder mal über die Stränge geschlagen habe. Kommt immer seltener vor, kann aber auch künftig nicht völlig ausgeschlossen werden.




Schon meine irischen Urahnen wussten die Vorzüge eines gemütlichen Heimes zu schätzen, und übernahmen die aus dem Mutterland England stammende Aussage "My home is my castle", eines der englischen Grundrechte aus dem 17. Jahrhundert, nach dem Beamte nicht ohne richterliche Erlaubnis in Privatwohnungen eindringen dürfen. Dieses Privileg habe ich mir bis heute bewahrt. Da es bei mir zuhause aber weder Richter noch Beamte gibt und ich in meiner Hütte auch gern mal ein Nickerchen mache, habe ich den Slogan etwas angepasst. Bei mir heißt das: „My box is my snoozle room“.



Manche Dog-Experten sind ja immer noch der irrigen Meinung, dass wir Hunde 20 Stunden am Tag schlafen und nehmen das als Vorwand, sich möglichst wenig mit uns zu beschäftigen. Da kann ich nur sagen: Leute wacht auf, Menschenschlaf und Hundeschlaf sind nicht dasselbe!



Wenn mein schwermütiger Traumtänzer hier, vom Chianti narkotisiert, ins nächtliche Koma fällt, lässt der sich selbst mit Mörsergranaten nicht vorzeitig ins Leben zurückrufen. Meine Ruhephasen hingegen sind tiefenpsychologische Sternstunden, sozusagen die Highlights der Schlafwissenschaft. Ich registriere jedes noch so leise Geräusch ... besonders wenn es aus der Küche kommt. Der dumpfe Anschlag der Kühlschranktür, die feinen akustischen Nuancen bei der Vorbereitung des Mittagessens oder der helle Klang des Futternapfes, wenn mein Lieblingsgericht angerührt wird - nichts entgeht meiner Aufmerksamkeit, während ich mich in stabiler Seitenlage befinde.



Für die Nacht allerdings wechsle ich die Schlafstatt. Mein ‚Rapid Eye Movement’ genieße ich im superbequemen ridgi pad. Neun Stunden Schönheitsschlaf sind dann das Optimum, um tags darauf mein sonniges Gemüt richtig entfalten zu können. Und jeder neue Tag beginnt mit einem ausgedehnten stretching. Gelenke, Sehnen und Muskeln meines gestählten Körpers werden bis an die Grenze der Belastbarkeit geprüft. Verglichen mit meinen Übungen sind die Zirkuskunststücke der chinesischen Schlangenfrauen bestenfalls Rheumagymnastik.

Zum Schluss noch ein gutgemeinter Rat von mir, der in vielen Lebenslagen beherzigt werden kann:

Schlafende Hunde sollte man nicht wecken! Ich jedenfalls weiß genau weshalb.



Eigentlich komme ich ja ganz gut zurecht mit meinem persönlich haftenden Gesellschafter. Aber manchmal ist es ein Kreuz mit ihm. War doch neulich wieder das langweilige Spiel „Such und Find“ angesagt. Als ich nach dem fünften Mal nun wirklich keinen Bock mehr hatte, den zerkauten Kong hinterm Sofa hervorzuholen, hatte er doch gleich wieder einen seiner lockeren Sprüche auf Lager. „Schönheit und Geist wohnen selten beieinander“, sagte er. ZU MIR!!! 

Mag ja sein, dass das in seinem Fall zutreffend ist, wobei ich mir durchaus nicht sicher bin, was da nun wirklich in ihm wohnt. Ersteres kann jedenfalls aus meiner Sicht völlig ausgeschlossen werden. Aber mich vor die Alternative zu stellen, nur schön zu sein  was ja jeder sehen kann - oder nur klug, ist nun weiß Gott deplaciert. Da könnte ich auch zu ihm sagen „Wer Kraft hat braucht keinen Verstand“.

Was habe ich in den vergangenen Monaten nicht alles für meine Bildung getan. Bereits im Alter von 10 Wochen wurde ich immatrikuliert - Welpenschule. Grund- und Aufbauseminar, einschließlich diverser Exkurse in der Rüpelgruppe. An den Hausaufgaben arbeite ich heute noch. Später dann habe ich alles, was lesbar war, im wahrsten Sinne des Wortes verschlungen. Bücher, Zeitungen, Gebrauchsanweisungen, Beipackzettel. Nichts habe ich ausgelassen – nicht mal den Papierkorb. Dabei kann ich durchaus kritisch sein. Manches literarische Werk habe ich zerrissen, wie Reich-Ranicki den letzten Roman von Martin Walser.



Auch mit Fernsehen bilde ich mich weiter. Am liebsten mag ich Tiersendungen. Nein, nicht Tigerentenclub. Richtige Reportagen, über die Bären in Alaska oder Königstiger in der Taiga und natürlich über Hunde. Das ist für mich unheimlich aufregend.



Sogar die Sendung mit Günter Jauch sehe ich mir an, weil die so ungemein bildet. Und reich werden kann man nebenbei auch noch. Eigentlich wollte ich dort schon mal Telefon-Joker werden. Hat aber keiner angerufen



So jetzt ist ganz schnell Schluss mit Bildung und Kultur. Ich wurde zum Abendessen gebeten. Da halt ich’s doch lieber mit Bertolt Brecht: „Erst kommt das Fressen, dann die Moral“.



Wie seit geraumer Zeit bekannt, neigen wir Iren ja zu einem speziellen Rechtsverständnis in Europa. Als gebürtiger Niedersachse unterliege ich jedoch der deutschen Gesetzgebung und da räumt mir § 2 Nr. 1 TierSchG in der Fassung vom 18.12.2007 eine meinen Bedürfnissen angemessene Ernährung ein.

Und schon fangen die Widersprüche an. Was ist „angemessen“? Bei dieser Begriffsbestimmung liegen Welten zwischen mir und meinem Ressourcenverwalter. Schon klar, ich möchte nicht so sein wie der Mops neulich auf dem Trainingsplatz, der nach der dritten Runde beinahe kollabiert wäre. Aber muss man deshalb gleich Portionen verabreichen wie bei „Germany's Next Topmodel“?

Das Thema Hundeernährung ist ja seit Canis familaris Inostranzewi unerschöpflich, kommt noch vor Fußball oder Wetter. Jeder kann und soll streitbar mitreden, weil ja alle Hunde futtern. Ich will mich aber weitgehend zurückhalten und nicht noch (Distel-)Öl ins Feuer gießen. Nur so viel: Einen Großteil meiner Lebensmittel beziehe ich von ALSA. Besonders lecker waren dort die Weihnachtsmenüs, z. B. „Hirsch & Wildbret mit Kartoffeln auf Preiselbeeren“. Hmmm, super. Nicht ganz billig, aber am Essen wird nicht gespart. Lieber verzichte ich da mal auf eine Haartönung, wie meine Diätköchin immer sagt.

Zur Abwechslung gibt’s Frischkost aus eigener Herstellung. Nein, die Rezepturen verrate ich hier nicht, die gibt’s nur bei Einsendung eines ausreichend frankierten Rückumschlages. Ich werde doch nicht auch noch eine Lawine von Ernährungsdiskussionen auslösen.



Auch beim Trinken bin ich sehr penibel. Steht das Wasser länger als eine Stunde im Napf, rühre ich es nicht mehr an. Na und? Ihr trinkt doch auch kein abgestandenes Bier!

Damit erhöht sich der Wasserverbrauch bei uns zu Hause natürlich enorm. Mein Vorschlag zur Energieeinsparung war, mit dem alten Wasser den Espresso-Automaten nachzufüllen – abgekocht geht’s ja noch. Kam aber nicht so gut an bei meinen Kaffeetanten.





Ende August 2007 bin ich hier angekommen: Schön ist es bei uns am Rande der Großstadt. Wir wohnen direkt im Grünen, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht wünschen. Von meinen Balkonplatz aus kann ich Kühe und Pferde beobachten und mich fürchterlich aufregen, wenn sie zu nah ans Haus kommen wollen. 



Mein erster Blick in die Wohnung genügte jedoch um festzustellen: Hier muss sich einiges ändern! Alles war so sauber, aufgeräumt und ordentlich – so durfte das nicht bleiben. Und siehe da, schneller als ich dachte haben meine Leute reagiert.

Wo früher blitzblankes Laminat glänzte lagen nun kunterbunte Flickenteppiche, bodenlange Seidenstores wurden brutal auf Fensterhöhe gekürzt, Schubladenknöpfe abgeschraubt, so dass mich nur noch die dunklen Bohrlöcher anstarrten. Kabel und Leitungen sind eiligst hinter Bretterverschlägen versteckt worden, Tisch- und Stuhlbeine versuchte man mit Bandagen vor meinen Zerspanungsfacharbeiten zu retten.



Wenige Unmutsäußerungen von mir reichten aus und mein nagelneues Ridgi-Pad lag nun an strategisch hervorragender Stelle im Wohnzimmer mit Rundumblick auf alle wesentlichen Lebensbereiche wie Küche und Esstisch. Der Kampf um die Couch war kurz vor Weihnachten für mich entschieden.

Ich hatte es geschafft – nun war ich richtig zu Hause.



Natürlich musste ich kleine Kompromisse eingehen, habe Kulanz gezeigt und einiges weggesteckt. Bis auf zwei, drei peinliche Ausrutscher verrichtete ich meine Geschäfte von Anfang an im Freien. Für die Forschung habe ich sogar dreibeinig in den Becher gepieselt. Die Betten im Schlafzimmer bleiben tabu für mich. Das Bad wird nur zur Körperpflege benutzt.

Man hat mir die Ohren angepappt und ich habe still gehalten. Den berühmt-berüchtigten Griff über den Fang verstehe ich noch heute als besonderen Ausdruck von Schnauzenzärtlichkeit. Allerdings gelang es mir, den missratenen Alpha-Wurf in einen sauber ausgeführten Omega-Kreisel umzuwandeln, den mein vermeintlicher Trainer nur mit Mühe unverletzt überstand. Die Wasserpistole danach war einfach nur lächerlich. Und schließlich konnte man die ersten Trimmattacken meines neuen Groomers auch nicht gerade als Wellness-Behandlung bezeichnen.



So haben wir uns zusammengerauft und sind ein super Team geworden – mich bringt hier keiner mehr weg!



Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich wurde geboren – und nicht geworfen! Wer von Euch möchte denn schon ins Leben geworfen werden? Ich jedenfalls nicht! Denkt immer an die Warnung von Ernst Jandl: "Zerbrechlich ist das Hundevieh, drum wirf es aus dem Fenster nie!"

Der folgenreiche Vorgang meiner Geburt fand am 27. Juni 2007 im Bersenbrücker Land statt, dort wo die Hase fließt. Richtig - daher mein Adelsgeschlecht: „vom Haseland“. Meine Mutter ist eine echte Gräfin, sie heißt „Claire“, aber alle nennen sie Frieda. Für mich ist sie die schönste Hundemama auf der Welt. Etwas weiter nördlich und ebenfalls an der Hase lebt mein Vater Rufus, der jeden in seinen Bann zieht. Genau wie ich!





Außer mir gehören zu den Kilkenny’s noch zwei Brüder und zwei Schwestern. Wir waren alles Wunschkinder, hatten eine wunderschöne Babyzeit und wurden liebevoll aufgezogen. Dennoch habe ich mich im zarten Alter von 8 Wochen entschlossen, eigene Wege zu gehen.



Die Gelegenheit war günstig, da sich bei uns gerade Gäste aus Thüringen aufhielten, dem grünen Herzen Deutschlands. Grün nennt man auch die irische Insel, die Heimat meiner Vorfahren – also hieß es für mich gleich mal Standortvorteile nutzen. Natürlich war der Besuch kein Zufall, sondern Teil einer von langer Hand vorbereiteten Entführung, die aber ein ausgesprochen glückliches Ende nahm und mir ein neues Zuhause bescherte, wie ich es nicht besser wünschen könnte.